Druckprüfung und Tracergas-Prüfung: zwei verschiedene Aussagen
Eine Druckprüfung beantwortet die Frage „Hält das System den Prüfdruck?“ – sie liefert ein Ja oder Nein für den geprüften Abschnitt. Kleine Undichtigkeiten, deren Verlust innerhalb der Toleranz liegt, bleiben dabei unentdeckt, und ein Druckabfall sagt nichts über den Ort der Leckage aus. Die Tracergas-Prüfung mit Helium setzt genau dort an: Das im Medium gelöste Helium tritt an jeder Undichtigkeit aus und wird an der Oberfläche mit hochsensibler Analytik gemessen. So werden auch kleinste Leckagen nachgewiesen und gleichzeitig entlang der Trasse eingegrenzt.
Verfahren und Normbezug
- Prüfverfahren mit Helium als Tracergas nach DIN EN ISO 20485 (Tracergas-Verfahren)
- Ergänzend zur Abnahme-Druckprüfung nach AGFW FW 602, DIN EN 805 bzw. DVGW G 469 – die formale Abnahme obliegt dem Betreiber bzw. akkreditierten Prüfstellen
- Helium ist beim Umweltbundesamt nach § 20 TrinkwV als Stoff zur Ortung von Leckagen im Rohrsystem gelistet
- Blasenfreie Einbringung, keine Entleerung, kein Abschalten
Wann eine Helium-Dichtheitsprüfung sinnvoll ist
- Nach Neubau oder Umbau eines Netzabschnitts – als empfindliche Ergänzung zur Abnahme-Druckprüfung, bevor Straßen und Flächen geschlossen werden.
- Bei unklarem Wasserverlust, der in der Druckprüfung innerhalb der Toleranz bleibt, aber im Betrieb kontinuierlich auffällt.
- Vor Gewährleistungsablauf, um Undichtigkeiten an Muffen, Übergängen und Abzweigen nachzuweisen.
- Bei Bestandsnetzen, in denen Vorortungen mit Akustik oder Thermografie ohne verwertbares Ergebnis geblieben sind.
Ablauf
- Systemdaten und Prüfziel klären. Trassenlänge, Leitungstyp, Medium, Betriebsdruck, Temperatur, Anlass der Prüfung.
- Helium blasenfrei einbringen. Über eine geeignete Einbringstelle wird das Helium mit der Spezialanlage im Medium gelöst – der Betrieb läuft weiter.
- Trasse systematisch beproben. Bodenluft an Prüföffnungen, Schächten und Messpunkten ansaugen und auf Heliumgehalt prüfen; alle Werte werden protokolliert.
- Dokumentation. Schriftlicher Bericht mit Messwerten, Trassenprotokoll und – bei Befund – Eingrenzung der Undichtigkeit.
Häufige Fragen zur Dichtheitsprüfung
Ersetzt die Helium-Prüfung die Abnahme-Druckprüfung?
Nein. Die formale Abnahme-Druckprüfung nach AGFW FW 602, DIN EN 805 bzw. DVGW G 469 obliegt dem Betreiber bzw. akkreditierten Prüfstellen. Die Helium-Prüfung nach DIN EN ISO 20485 ergänzt sie: Sie ist deutlich empfindlicher und lokalisiert Undichtigkeiten, die eine Druckprüfung nur pauschal anzeigt.
Wie empfindlich ist die Prüfung?
Der natürliche Heliumgehalt der Luft liegt bei rund 5,2 ppm. Bereits geringe Erhöhungen über diesen Hintergrund sind messbar – damit werden Undichtigkeiten nachgewiesen, die weit unterhalb der Nachweisschwelle einer reinen Druckprüfung liegen.
Muss die Leitung entleert werden?
Nein. Das Helium wird gelöst in das Medium eingebracht, die Leitung bleibt gefüllt und in Betrieb.
Für welche Leitungen eignet sich die Prüfung?
Für wasserbefüllte Druckleitungssysteme: Fern- und Nahwärme, Fernkälte, Heiz-, Kühl- und Prozesswasser sowie Brauchwasser.
Dichtheit nachweisen, bevor die Fläche geschlossen wird?
Nennen Sie uns Abschnitt, Leitungstyp und Prüfziel – wir melden uns mit einer ersten Einschätzung.
Zur Anfrage 0156 79799100